Aesthetic Bedeutung: Was heißt das? 10 Stile erklärt

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Ein kleiner Roter Panda sitzt auf dem Boden und pinnt Karten ohne Schrift mit Pflanzen, Karostoff, einer alten Kamera und Wellen an ein Moodboard aus Kork, um ihn herum Stoffproben.

Das Wichtigste

  • Als Substantiv heißt aesthetic Ästhetik, aber auch der Gesamtstil einer Person oder eines Werks; als Adjektiv bedeutet es ästhetisch, die Schönheit betreffend.
  • Bilder und Identitäten unter einer Aesthetic zu sammeln, ist auf Tumblr spätestens seit Anfang der 2010er-Jahre üblich.
  • Die Endung -core stammt von hardcore und benennt heute oft eine Ästhetik, etwa Cottagecore.
  • Eine Ästhetik umfasst Kleidung, Zimmer, Musik und Orte; ein Kleidungsstil betrifft nur, was du trägst.
  • Wer 30 gespeicherte Bilder sammelt und wiederkehrende Farben, Materialien, Licht und Orte zählt, kann seiner Ästhetik einen Haupt- und einen Zweitnamen geben.

Die aesthetic Bedeutung hat zwei Ebenen: Als Substantiv heißt aesthetic „Ästhetik“ und meint auch den Gesamtstil einer Person, eines Werks oder eines Raums; als Adjektiv bedeutet es „ästhetisch, die Schönheit betreffend“. Wenn auf Instagram, Pinterest oder TikTok jemand schreibt, ein Foto sei „so aesthetic“, heißt das ungefähr: Das hat Atmosphäre, das sieht richtig gut aus. Aesthetic als Name für eine ganze Stilkategorie gibt es auf Tumblr spätestens seit Anfang der 2010er-Jahre.

Später kam noch eine Bedeutung hinzu: ein ganzes Stilpaket mit eigenem Namen, etwa Cottagecore, Dark Academia oder Y2K. So eine Ästhetik betrifft nicht nur Kleidung. Auch das Zimmer, die Playlist, das Lieblingscafé und das Licht am Abend gehören dazu.

Aesthetic Bedeutung: Substantiv, Adjektiv und das „sieht gut aus“ im Netz

Aesthetic war zuerst ein Begriff der Philosophie, und seine Bedeutung wanderte von „sinnlicher Wahrnehmung“ zu „Empfinden für Schönheit“; das „sieht gut aus“ im Netz ist die jüngste Schicht. Die Stanford Encyclopedia of Philosophy hält im Eintrag „The Concept of the Aesthetic“ fest, dass das Wort auf ein griechisches Wort für sinnliche Wahrnehmung zurückgeht. Der deutsche Philosoph Baumgarten verwendete es schon 1735, und daraus wurde das, was wir heute Ästhetik nennen. Vogue zeichnete 2021 in einem Schwerpunkt denselben Weg nach: Im 18. Jahrhundert lautete die Definition „Wissenschaft der sinnlichen Wahrnehmung“, später verschob sie sich zum „Genießen von Schönheit“, und noch später konnte aesthetic einfach „schön“ ersetzen.

Die Bedeutungen, die das Cambridge Dictionary heute aufführt, lassen sich grob in fünf Verwendungen sortieren:

VerwendungEnglisches BeispielAuf Deutsch etwa
Adjektiv, auf Schönheit bezogenaesthetic valueästhetischer Wert
Adjektiv, Schönheit zeigendan aesthetic objectschön, ansprechend
Adjektiv, das Aussehen verbesserndaesthetic clinicKlinik für Schönheitsbehandlungen
Substantiv, Gesamtstilthe band’s aestheticStil, Look, Ästhetik
Substantiv, Stilprinzip oder Facha modernist aestheticÄsthetik, ästhetisches Programm

Die Bedeutung aus der Klinik sorgt oft für Verwirrung. Wer sie nachschlägt, hat das Wort meist auf einem Praxisschild oder in einem Behandlungsnamen gesehen. Gemeint sind dann Behandlungen ohne Operation, die das Aussehen verbessern sollen. Mit Ästhetik als Theorie hat das nichts zu tun.

Das „so aesthetic“ der Netzsprache hängt an der zweiten Bedeutung des Adjektivs, wird aber extrem weit gedehnt: Ein Latte macchiato, ein Sonnenuntergang und ein aufgeräumter Schreibtisch können alle aesthetic sein. In Foren zum Englischlernen fragen Leute regelmäßig, ob man das so sagen darf. Laut Wörterbuch geht es. In formellen Texten ist es aber klarer, beautiful oder stylish zu schreiben oder gleich Farbe und Material zu nennen, statt sich hinter einem pauschalen aesthetic zu verstecken.

Ein kleiner Roter Panda sitzt an einem runden Cafétisch, zieht lächelnd eine Augenbraue hoch und betrachtet aus der Nähe einen Latte mit Milchschaummuster im schräg einfallenden Sonnenlicht.
Im Netz heißt aesthetic oft nur: Dieses Bild sieht richtig gut aus.

Erst die Bedeutung als Substantiv ist der Ausgangspunkt der heutigen Aesthetic Stile. Die Linguistin Gretchen McCulloch verglich im Gespräch mit Vogue zwei Redeweisen: Wer sagt, jemand habe eine „Personal Brand“, leiht sich ein Bild aus dem Marketing; wer sagt, jemand habe „eine eigene Aesthetic“, leiht sich ein Bild aus der Kunst. Gemeint ist, dass wir im Netz wie Kunstschaffende ein stimmiges Gesamtbild pflegen können. Im Deutschen sagt man dafür oft schlicht Ästhetik oder Stilrichtung; unser Test spricht von deiner Ästhetik.

Woher die Aesthetic Stile kommen: Tumblr, Pinterest, TikTok und die Endung -core

Eine Ästhetik im heutigen Sinn ist eine stimmige Bildwelt mit eigenem Namen. Sie ist auf Tumblr-Blogs gewachsen und wurde von Pinterest und TikTok zu Kategorien gemacht, nach denen man suchen und die man taggen kann. Vogue berichtete, dass Tumblr-Nutzende ganze Blogs um ein Thema herum aufbauten, und zwar spätestens seit Anfang der 2010er-Jahre. Eine Tumblr-Nutzerin merkte irgendwann, dass es so viele benannte Ästhetiken gab, dass sie ein eigenes Wiki dafür anlegte. Ihre Definition: eine vorgestellte Lebenswelt, dargestellt durch stimmige Bilder, Klänge und Gegenstände, bei der man einem einzelnen Bild sofort ansieht, ob es dazugehört.

Die Plattformen haben die Namen immer feiner unterteilt. Der Vogue-Autorin wurden auf Pinterest allerlei Nischen-Ästhetiken vorgeschlagen, und Pinterest erklärte gegenüber Vogue, dass das Interesse an Ästhetiken seit 2018 stetig steige; die Suchen nach „core aesthetic“ hätten zeitweise um 60 % zugelegt. Auf TikTok kamen dann die schnell geschnittenen Videos nach dem Muster „Welche Aesthetic bist du?“, die mehrere Stile nebeneinanderstellen, damit man sich selbst darin wiederfindet.

Woher die Endung -core stammt

Mit Ästhetik hatte -core ursprünglich nichts zu tun. Die Sprachkolumne des Christian Science Monitor hat die Geschichte nachgezeichnet: Hard core bezeichnete 1841 den festen Untergrund aus Schotter und Ziegelbruch, auf dem man Straßen und Fundamente baute. Ab den 1930er-Jahren stand es für den harten Kern einer Partei oder Gruppe, in den 1970er-Jahren dann für schnelle, laute Rockmusik. Die American Dialect Society nannte -core eine produktive Endung, mit der neue Wörter für Ästhetik-Trends entstehen, nannte als Beispiele gorpcore (Outdoor-Funktionskleidung) und goblincore und nominierte die Endung 2021 als „kreativstes Wort“. Dictionary.com beschreibt es so: Mit -core benennt man heute oft eine Szene, die sich um eine bestimmte Ästhetik oder einen Trend bildet.

Normcore ist das meistzitierte und zugleich am häufigsten missverstandene Beispiel. Laut Dictionary.com war das Wort schon zwischen 2005 und 2010 im Umlauf und wurde durch die Trendforschungsgruppe K-HOLE bekannt. K-HOLE meinte damit ursprünglich eine Haltung: bewusst zu akzeptieren, dass man aussieht wie alle anderen, und darin eine Chance zur Verbindung mit anderen zu sehen. Im Februar 2014 schrieb Fiona Duncan in The Cut, dem Ableger des New York Magazine, einen Artikel über Normcore. Sie beschrieb junge Leute aus der Kunstszene in ausgewaschenen Jeans, Fleecejacken und Turnschuhen, also betont „normal“ gekleidet. Seitdem wird Normcore als Kleidungsstil diskutiert. Im selben Text betonen Leute von K-HOLE, Normcore meine gerade keinen bestimmten Look.

Cottagecore ist das Paradebeispiel dafür, wie Plattformen eine Ästhetik groß machen. NPR berichtete 2020, dass der Tag #cottagecore auf Tumblr im März 2014 zum ersten Mal auftauchte. Zwischen März und April 2020, als sich Covid-19 ausbreitete, wuchs der Tag um 153 %, die Likes für passende Beiträge stiegen um mehr als 500 %. Der Bericht beschreibt Cottagecore als Landidyll aus dem Netz: Sauerteigbrot, Wildblumen, Handarbeit, Stricken und Holzhütten. Nebenbei erwähnt er Marie Antoinette, die im 18. Jahrhundert bei Versailles ein kleines Bauerndorf bauen ließ; der Digitalredakteur eines britischen Museums für Landleben erklärte sie in einem viralen Tweet scherzhaft zur „Ikone“ von Cottagecore.

Ein kleiner Roter Panda mit Leinenschürze hält ein frisch gebackenes rundes Brot in beiden Händen und riecht mit geschlossenen Augen daran, daneben ein Tonkrug mit Wildblumen und ein Weidenkorb.
Cottagecore verkauft ein Lebensgefühl: selbst gebackenes Brot und Wildblumen im Krug.

Auch Dark Academia bekam in dieser Welle ihren Namen. Als Vogue die Ästhetik-Videos auf TikTok beschrieb, standen dafür gotische Bibliotheken, Faltenröcke, ledergebundene Bücher und Schachbretter: dunkle Farben, Regenwetter, Bücherluft und ein Hauch Melancholie.

10 Aesthetic Arten: Farben, Materialien, Orte und Nachbarn in der Punktevergabe

Eine offizielle Liste der Aesthetic Arten gibt es nicht; Listen im Netz reichen von gut zehn bis zu mehreren Hundert. Unser Ästhetik-Test hat 10 Stile ausgewählt, die man gut erkennt und die sich sowohl an Kleidung als auch an Zimmern ablesen lassen. Jeder hat feste Farben, Materialien und typische Orte.

ÄsthetikFarben und MaterialienTypische OrteNachbarn in der Punktevergabe
CottagecoreSalbeigrün, Cremeweiß; Leinen, RattanCafé im alten Landhaus, Erdbeerfeld am WochenendeBoho, Soft Pastell
Dark AcademiaWeinrot, Dunkelbraun, Tannengrün; Wollstoff, LederBücherregal bis zur Decke, RegentagTechwear, Clean Minimal
Clean MinimalWeiß, Hafer, Schiefergrau; Baumwolle, KeramikZimmer mit Bett und einer LampeDark Academia, Küstenfeeling
Y2KKaugummirosa, Elektroblau, Silber; PaillettenFotoautomat, Hits der NullerjahreStreetwear, Soft Pastell
Analog VintageSenfgelb, Karamellbraun; Cord, VinylAltstadt, Analogkamera, PlattenspielerStreetwear, Boho
KüstenfeelingMeeresgrün, Sand; Leinen, TreibholzStrand, weiße Vorhänge im WindClean Minimal, Soft Pastell
StreetwearKobaltblau, Schwarz, Grau; dicke Baumwolle, NylonSneaker-Release, Graffiti-WandY2K, Techwear
Soft PastellLavendel, Erdbeermilchrosa; PlüschCafé mit Torten in CremetönenY2K, Cottagecore
BohoTerrakotta, Senf; Fransen, GeflochtenesOpen-Air-Markt, Zimmer voller PflanzenKüstenfeeling, Cottagecore
TechwearSchwarz, Graphit, Neongrün; wasserdichtes NylonStadt bei Nacht im Regen, TechnikmesseDark Academia, Streetwear

Die „Nachbarn in der Punktevergabe“ ergeben sich aus der Struktur des Tests. Er hat 20 Fragen mit je 5 Optionen, und du wählst die, die dich am meisten anspricht. Jede Option gibt einer Ästhetik 2 Punkte (Hauptpunkte) und einer benachbarten Ästhetik 1 Punkt (Nebenpunkt). Egal wie du antwortest, die Summe ist immer 60. Die letzte Spalte zeigt die zwei Ästhetiken, die am häufigsten den Nebenpunkt bekommen, wenn die jeweilige Ästhetik die Hauptpunkte erhält; ausgezählt aus der Verteilung der Optionen im Fragenkatalog. Von den 10 Hauptoptionen für Cottagecore etwa geben 5 den Nebenpunkt an Boho und 3 an Soft Pastell.

Ein kleiner Roter Panda steht hinter einem niedrigen Holzregal mit Fächern und greift mit beiden Pfoten gleichzeitig in zwei Fächer, darin liegen ein Weidenkorb, Muscheln, Sneaker und Fransen.
Jede Wahl trifft mehr als ein Fach: 2 Punkte für die Hauptästhetik, 1 für den Nachbarn.

Dieser Aufbau hat eine Folge: Niemand ist „rein“ eine einzige Ästhetik. Zählt man die Verteilung der Optionen über alle 20 Fragen zusammen, kommt eine Ästhetik selbst dann nur auf höchstens 26 bis 28 Punkte, wenn du bei jeder Frage die für sie günstigste Option wählst; das sind etwa 43 bis 47 % von 60. Umgekehrt liegt bei völlig zufälligen Antworten der Erwartungswert jeder Ästhetik bei 6 Punkten, also je 10 %. Denn jede Ästhetik ist in genau 10 Fragen Hauptoption und bekommt genau 10-mal den Nebenpunkt, keine hat einen eingebauten Vorteil. Auf dieser Skala bedeutet eine Hauptästhetik mit rund 30 % schon das Dreifache dessen, was Zufallsantworten erwarten lassen.

Ästhetiken, die nicht auf der Liste stehen, finden meist einen nahen Platz unter diesen 10: Normcore liegt nah an Clean Minimal, Fairycore zwischen Cottagecore und Soft Pastell, und die Rosen und rosa Tüllstoffe von Royalcore passen am ehesten zu Soft Pastell.

Ästhetik, Kleidungsstil, persönlicher Stil: Wo liegt der Unterschied?

Eine Aesthetic ist eine ganze Lebenswelt, der Kleidungsstil ist der Teil dieser Welt, den du am Körper trägst, und dein persönlicher Stil ist die Summe dessen, was du über Jahre tatsächlich auswählst. Die drei Begriffe werden oft vermischt. Wer sie auseinanderhält, empfindet sich seltener als widersprüchlich, nur weil er Dark Academia liebt und trotzdem fast nur Hoodies im Schrank hat.

VergleichÄsthetik (aesthetic)KleidungsstilPersönlicher Stil
UmfangKleidung, Zimmer, Musik, Orte, LichtKleidung, Schuhe, Accessoires, FrisurSumme deiner echten Entscheidungen im Alltag
HerkunftBenannte Bildwelten aus dem NetzModekategorien und KombinationenBudget, Körper, Job, Klima
TempoWechselt mit Plattformtrends den NamenÄndert sich mit Saison und ModeLangsam, zeigt sich erst über Jahre
Typische FrageFühlt sich diese Welt nach mir an?Was ziehe ich heute an?Was ist bei mir auf Dauer geblieben?

Eine Ästhetik kann auch nur im Zimmer oder in der Playlist leben. Wer im Job eine Uniform tragen muss, kann trotzdem Analog Vintage sein: Schallplatten, eine alte Tischlampe, das Hintergrundbild auf dem Handy und der Wochenendbummel über den Flohmarkt gehören zur selben Welt. Der Kleidungsstil hängt stärker an der Realität, also am Arbeitsweg mit Rad oder Bahn, am Arbeitsplatz, am Wetter und am Budget. Die Wolljacke aus Dark Academia ist an heißen Sommertagen kaum tragbar; ein dunkles Leinenhemd und eine Ledertasche halten die Stimmung trotzdem.

Persönlicher Stil setzt sich mit der Zeit ab. Dass die Ästhetik, die du sammelst, und die Kleidung, die du trägst, auseinanderliegen, ist völlig normal: Die eine gehört zur vorgestellten Welt, die andere zu dem Menschen, der jeden Morgen aus dem Haus geht.

Ein kleiner Roter Panda kniet auf einem Sitzkissen aus Cord, setzt mit zusammengekniffenen Augen die Nadel auf eine Schallplatte, daneben liegt ein gefaltetes schlichtes Bürohemd.
Die Kleidung gehört dem Job, Zimmer und Playlist bleiben Analog Vintage.

Zwei Themen werden oft in einem Atemzug genannt. Welche Farben nahe am Gesicht am frischesten wirken, ist eine Frage der Farbtypen: Dort geht es um den Kontrast von Haut, Haaren und Augen, und es gibt dafür einen eigenen Farbtyp-Test. Eine Ästhetik fragt nur, was dich anzieht, und bewertet weder Aussehen noch Figur. Wer sich lieber über Figuren und Geschichten statt über Bilder beschreibt, ist näher bei den Archetypen nach Jung.

Eigenen Stil finden: 30 gespeicherte Bilder und was sich wiederholt

Das verlässlichste Material, um deinen eigenen Stil zu finden, sind Bilder, die du längst gespeichert hast, ohne sagen zu können, warum. Du hast sie ausgewählt, ohne dass dir jemand eine Frage gestellt hat. Die Methode dauert zwei Wochen und kostet nichts.

  1. Sammle 30 Bilder, höchstens 10 davon mit Kleidung. Such sie dir aus deiner Fotogalerie, den gespeicherten Beiträgen auf Instagram, deinen Pinterest-Boards und Screenshots zusammen. Die anderen 20 zeigen Zimmer, Cafés, Landschaften, Licht, Albumcover oder Gegenstände. Nimm nur Bilder, in denen du gern wohnen würdest, keine, die gerade angesagt sind und dich eigentlich kaltlassen.
  2. Schreib zu jedem Bild vier Wörter. Farbe (zum Beispiel Senfgelb), Material (Cord), Licht (schräge Nachmittagssonne) und Ort (Altstadt). Wenn dir für ein Feld nichts einfällt, lass es leer, statt etwas zu erzwingen.
  3. Zähl die Wiederholungen. Leg die 120 Wörter nebeneinander. Was als gleiches oder ähnliches Wort achtmal oder öfter vorkommt, ist dein Grundton; was vier- bis siebenmal auftaucht, ist dein Zweitton. Vergleich das mit den Farben und Materialien der 10 Ästhetiken und gib Grund- und Zweitton je einen Namen, etwa „Analog Vintage plus Boho“.
  4. Teste es zwei Wochen lang in einem kleinen Bereich. Ändere nur eine Stelle: das Handy-Hintergrundbild, den Schreibtisch oder ein Outfit fürs Wochenende. Gefällt es dir nach zwei Wochen noch und bleibt dein Blick daran hängen, gehört es zu dir. Hast du es satt, war es vermutlich ein Trend des Moments.

Licht und Ort sind oft aussagekräftiger als die Kleidung. Viele sammeln Kleidung in allen Richtungen, aber das Licht ist fast immer warmgelb und der Ort fast immer ein Fensterplatz. Das verrät mehr über die Welt, die dich anzieht, als jedes einzelne Kleidungsstück. Im Test ist es ähnlich: Nur 5 der 20 Fragen drehen sich direkt um Kleidung, Schuhe, Taschen oder Accessoires. Die übrigen fragen nach Cafés, Handy-Hintergründen, Playlists, Zimmern, Düften und Licht.

Ein kleiner Roter Panda kniet auf dem Boden und hält ein Foto prüfend hoch, die ausgebreiteten gesammelten Fotos zeigen fast alle das warme Licht desselben Fensters.
Die Kleidung ist bunt gemischt, das Licht kommt immer vom selben Fenster am Nachmittag.

Bei Farben ist Vorsicht angebracht. Welche Farbe du magst, hat wenig mit deiner Persönlichkeit zu tun: Jue und Ha (2022) befragten 854 Erwachsene in Korea und fanden statistische Zusammenhänge zwischen Farbvorlieben und Big-Five-Werten, die aber durchweg klein waren und höchstens 5 % der Unterschiede eines Merkmals erklärten. Die Studienlage dazu ist im Artikel über Persönlichkeitsfarben ausführlich zusammengestellt. Die Farben in deinen gesammelten Bildern zeigen nur, in welchen Farbtönen du gern lebst.

Merkst du, dass du auf Materialien, Licht und Musik besonders stark reagierst und an einer schönen Ecke nicht vorbeikommst, gibt es dafür in der Psychologie ein verwandtes Konzept. Smolewska, McCabe und Woody (2006) wiesen bei der Analyse der Skala für hochsensible Personen „ästhetische Sensibilität“ (aesthetic sensitivity) als eigene Komponente aus: die Neigung, sich leicht von Kunst, Musik und Details berühren zu lassen. Mehr dazu steht im Artikel über Hochsensibilität. Das ist eine Neigung und hat nichts damit zu tun, welcher Ästhetik du angehörst.

Zwei Ästhetiken mischen, ohne in die Falle „alles auf einmal kaufen“ zu tappen

Zwei Ästhetiken mischst du am besten so, dass die Hauptästhetik die großen Flächen übernimmt und die zweite die kleinen, statt halbe-halbe zu machen. Die Hauptästhetik bestimmt, was man auf den ersten Blick sieht: Wände, Bettwäsche, Jacke, Tasche. Die zweite übernimmt Tassen, Haarspangen, Hintergrundbilder und Düfte. Dark Academia mit Techwear heißt dann: eine dunkle Wolljacke und darunter eine schwarze Funktionstasche mit vielen Fächern.

Ein kleiner Roter Panda steht neben einem Kleiderständer, hängt eine kleine schwarze Tasche mit vielen Fächern an eine dunkle Wolljacke und blickt lächelnd über die Schulter.
Die Hauptästhetik übernimmt die Jacke, die zweite nur eine kleine Tasche.

Nachbarn in der Punktevergabe lassen sich leicht kombinieren, weil sie ohnehin Farben oder Materialien teilen: Clean Minimal und Küstenfeeling lieben beide Weiß und Leinen, Streetwear und Y2K beide kräftige Farben. Weit entfernte Ästhetiken brauchen eine „Brücke“, also ein Element, das für beide Seiten Sinn ergibt. Wer Cottagecore lebt und sich etwas von Techwear borgen will, kann eine salbeigrüne, wasserabweisende Jacke wählen: Die Farbe gehört zum Landleben, die Funktion zu Techwear, und der Look wirkt nicht zusammengewürfelt.

Wie aus der Stilliste eine Einkaufsliste wird

Zu jeder benannten Ästhetik gehört eine Reihe von „Must-haves“, und je feiner die Namen werden, desto länger wird die Liste. Das hat mit dem Tempo der ganzen Bekleidungsindustrie zu tun: Laut einem Bericht der Ellen MacArthur Foundation von 2017 hat sich die weltweite Kleidungsproduktion innerhalb von 15 Jahren verdoppelt, angetrieben von der wachsenden Nachfrage der Mittelschicht und dem Aufstieg von Fast Fashion. Je schneller Ästhetik-Trends wechseln, desto eher landet das, was man kaufte, um einer bestimmten Ästhetik zu entsprechen, bei der nächsten Welle im Schrank und bleibt dort.

So bleibt eine Ästhetik, ohne dass du alles neu kaufen musst:

  • Erst aus dem Vorhandenen zusammenstellen. Geh mit Grund- und Zweitton aus Schritt 3 einmal durch Kleiderschrank und Zimmer. Mit dem, was du schon hast, kommst du oft auf sechzig, siebzig Prozent.
  • Immer nur ein Teil dazunehmen. Ein neues Stück kommt nur mit nach Hause, wenn es zu mindestens drei vorhandenen passt. Vor dem Kauf landet es 30 Tage auf einer Warteliste.
  • Langsame Quellen wählen. Secondhand, Kleidertausch, Leihen oder Ändern lassen: So probierst du eine Ästhetik aus, ohne von vorn anzufangen.
  • Ein festes Budget für Schönes. Ein fester Betrag pro Monat; ist er weg, wartest du auf den nächsten. Daran siehst du besser als bei Spontankäufen, was dir wirklich wichtig ist.

Im Bericht zum Ästhetik-Test gibt es eine Zeile „Am weitesten von dir entfernt · Nur ein Teil ausleihen“, die auf derselben Idee beruht: Wer eine völlig gegensätzliche Ästhetik ausprobieren will, kommt mit einem einzigen geliehenen Teil aus.

Der nächste Schritt: mit einer kleinen Ecke anfangen

Eine Ästhetik ist ein Beschreibungswerkzeug, mit dem du benennen kannst, was dich anzieht; sie schreibt dir nicht vor, was du tragen oder kaufen sollst. Statt den ganzen Kleiderschrank auf einmal auszutauschen, erkennst du deine echten Vorlieben leichter, wenn du mit einer kleinen Ecke beginnst:

  • Heute: Öffne die gespeicherten Bilder auf deinem Handy und lösche 10, die dir nichts mehr sagen. Was übrig bleibt, ist dein erstes Material.
  • Diese Woche: Sammle 30 Bilder, notiere zu jedem Farbe, Material, Licht und Ort und zähl Grund- und Zweitton aus.
  • Diesen Monat: Ändere nur einen Bereich, etwa Schreibtisch, Handy-Hintergrund oder ein Wochenend-Outfit, und entscheide nach zwei Wochen, ob du weitermachst.
  • Zum Vergleich: Mach einmal den Ästhetik-Test und schau, ob die Mischung aus den 20 Fragen zu deinen gesammelten Bildern passt.

Mach den Test

Häufige Fragen

Was bedeutet aesthetic auf Deutsch?

Das hängt von Wortart und Zusammenhang ab. Als Fach heißt es Ästhetik. Spricht man von der aesthetic einer Person oder eines Werks, ist der Gesamtstil gemeint. Als Adjektiv bedeutet es ästhetisch; in Wörtern wie aesthetic clinic geht es um Schönheitsbehandlungen. Im Netz heißt „so aesthetic“ ungefähr: Das hat Atmosphäre, das sieht richtig gut aus.

Ist „das ist so aesthetic“ korrektes Englisch?

Wörterbücher führen beim Adjektiv auch die Bedeutung „Schönheit zeigend“. Insofern passt es, nur wird es im Netz sehr weit gefasst und meint fast immer „hübsch, fotogen“. In formellen Texten oder beruflichen Mails ist es klarer, beautiful oder stylish zu schreiben oder einfach Farben und Materialien zu nennen.

Was ist die Cottagecore Bedeutung?

Cottagecore ist eine Internet-Ästhetik, die das Landleben romantisiert: geblümte Kleider, Handarbeit, selbst gebackenes Brot, Wildblumen, Holz und Leinen. NPR berichtete unter Berufung auf Tumblr-Daten, dass der Tag im März 2014 zum ersten Mal auftauchte und zwischen März und April 2020 um 153 % wuchs. In unserem Ästhetik-Test heißt dieser Stil ebenfalls Cottagecore.

Was macht den Dark Academia Stil aus?

Dark Academia ist die Ästhetik gotischer Bibliotheken: ledergebundene alte Bücher, Wolljacken, Faltenröcke und Regentage. Die Farben sind Weinrot, Dunkelbraun und Tannengrün, dazu ein Hauch melancholischer Gelehrsamkeit. In unserem Ästhetik-Test grenzt Dark Academia in der Punktevergabe am häufigsten an Techwear und Clean Minimal.

Was bedeutet -core?

-core ist eine Endung, die von hardcore abgeleitet ist. Ursprünglich hatte sie mit schneller, lauter Rockmusik der 1970er-Jahre zu tun. Heute hängt man sie an ein Substantiv, um eine Ästhetik oder eine Fan-Szene zu benennen, etwa normcore oder cottagecore. Die American Dialect Society nannte sie eine produktive Endung für Ästhetik-Trends und nominierte sie 2021 als „kreativstes Wort“.

Kann man zwei Aesthetics gleichzeitig haben?

Ja, und das ist sogar die Regel. Unser Test geht von Mischungen aus: Jede Antwort gibt der Hauptästhetik 2 Punkte und einer benachbarten Ästhetik 1 Punkt. Selbst wenn du bei jeder Frage die Option wählst, die einer Ästhetik am meisten nützt, erreicht diese höchstens 26 bis 28 von 60 Punkten. Das Ergebnis ist deshalb immer eine Mischung.

Quellen

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  2. Do I Have an Aesthetic? · Vogue (Sarah Spellings) · 2021 · www.vogue.com
  3. The Escapist Land Of ‘Cottagecore,’ From Marie Antoinette To Taylor Swift · NPR (Emma Bowman) · 2020 · www.npr.org
8 weitere anzeigen
  1. Getting to the heart of words made with ‘-core’ · The Christian Science Monitor (Melissa Mohr) · 2022 · www.csmonitor.com
  2. 2021 Word of the Year Is ‘Insurrection’ (press release, nominations list) · American Dialect Society · 2022 · americandialect.org
  3. Normcore: Fashion for Those Who Realize They’re One in 7 Billion · New York Magazine, The Cut (Fiona Duncan) · 2014 · www.thecut.com
  4. Cottagecore, Dreamcore, Normcore, and Other -Core Words · Dictionary.com · 2022 · www.dictionary.com
  5. The Concept of the Aesthetic · Stanford Encyclopedia of Philosophy (James Shelley) · 2009 · plato.stanford.edu
  6. A New Textiles Economy: Redesigning fashion’s future · Ellen MacArthur Foundation · 2017 · www.ellenmacarthurfoundation.org
  7. A psychometric evaluation of the Highly Sensitive Person Scale: The components of sensory-processing sensitivity and their relation to the BIS/BAS and ‘Big Five’ · Personality and Individual Differences, 40(6), 1269-1279 (Smolewska, McCabe & Woody) · 2006 · doi.org
  8. Exploring the relationships between personality and color preferences · Frontiers in Psychology, 13, 1065372 (Jue & Ha) · 2022 · doi.org

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