Archetypen nach Jung: Wer stellte die 12 Archetypen auf?

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Ein Roter Panda in blauer Latzhose steht da und hält in jeder Pfote ein Buch mit leerem Einband, links wächst eine Pflanze, rechts schaut ein Shiba Inu in gestreiftem Shirt mit Stoffbeutel neugierig zu

Das Wichtigste

  • Archetypen nach Jung sind universelle Bilder und Verhaltensmuster. Jung legte nie eine geschlossene Liste fest und schrieb sogar, es gebe so viele Archetypen wie typische Situationen im Leben.
  • Die 12 Archetypen sind Pearsons System (1991), das auf Jung und Campbell aufbaut und 2001 in den Markenbereich kam.
  • Am genauesten beschrieb Jung Persona, Schatten, Anima und Animus sowie das Selbst; alle lassen sich in seinen Collected Works belegen.
  • Die Namen der 12 Archetypen unterscheiden sich je nach Version (Pearson, Markenversion, PMAI); der Test der 12 Archetypen nach Jung folgt den Namen der Markenversion von 2001.
  • Archetypen taugen zum Nachdenken, sind aber keine validierte Typologie wie die Big Five. Dein Hauptarchetyp hilft als Frage mehr denn als Etikett.

Archetypen nach Jung sind universelle Bilder und Verhaltensmuster, die nach Jungs Ansicht alle Menschen als Art teilen; eine geschlossene Liste mit 12 Archetypen hat er nie hinterlassen. Die „12 Archetypen“, die heute im Netz kursieren, stellte die Autorin Carol S. Pearson später auf Grundlage seiner Gedanken zusammen. Beides kann nebeneinander bestehen, ist aber nicht dasselbe, und der Unterschied zählt, sobald jemand sagt „Ich bin der Rebell“ oder „Du bist doch ein Fürsorger“.

Was sind Archetypen nach Jung? Warum es keine offizielle 12er-Liste gibt

Archetypen nach Jung sind ererbte Muster für Bilder und Verhalten, also Formen ohne festen Inhalt, und Jung hat nie eine geschlossene Liste festgelegt.

Ein Shiba Inu steht vor einem hohen Holzschrank mit vielen kleinen Schubladen und betrachtet eine weiße Karte, einige Schubladen sind aufgezogen, daneben steht eine Pflanze
Jung hinterließ keinen Schrank mit zwölf beschrifteten Schubladen.

Mit dem Wort beschrieb Jung Motive, die seiner Beobachtung nach in Mythen, Träumen und Geschichten sehr verschiedener Kulturen immer wiederkehren: die schützende Mutter, der weise Alte, der Trickster, die Wiedergeburt. Vererbt werde die Form, sagte er, also die Neigung, Erfahrung auf bestimmte Weise zu ordnen; den konkreten Inhalt liefern jede Kultur und jeder Mensch selbst. In den Aufsätzen, die im Band 9 (Teil 1) der Collected Works (der englischen Gesamtausgabe, kurz CW) versammelt sind, drückt er das mit dem lateinischen Ausdruck facultas praeformandi aus, übersetzbar als „Möglichkeit der Vorformung“.

Zur Zahl äußerte sich Jung selbst deutlich. Im Aufsatz „The Concept of the Collective Unconscious“ (1936) schreibt er, es gebe so viele Archetypen wie typische Situationen im Leben (eigene Übersetzung aus der englischen Ausgabe der Collected Works). Eine Liste mit nur zwölf Einträgen passt dazu nicht.

Die Encyclopaedia Britannica beschreibt Jungs Archetypen als instinktive, universelle Muster, die sich in Verhalten und Bildern zeigen, und nennt das kollektive Unbewusste, mit dem er sie verband, „stark umstritten“. Wer nach „Archetypen nach Jung“, „Archetypen Jung“ oder „12 Archetypen“ sucht, treibt dieselbe Neugier an: sich in einer Figur wiederzuerkennen. Unterschiedlich ist nur, woher die Figur stammt.

Welche Archetypen Jung wirklich beschrieb: Persona, Schatten, Anima und Animus, Selbst

Am genauesten beschrieb Jung einige Strukturen der Psyche, darunter Persona, Schatten, Anima und Animus sowie das Selbst, und keine davon funktioniert wie eine Figur aus einem Katalog.

Ein Roter Panda sitzt auf einem Dreibeinhocker und hält einen dampfenden braunen Becher, an der Wand hinter ihm zeichnet sich ein größerer dunkler Schatten ab, daneben ein Fenster
Jungs Schatten ist das, was wir an uns nicht erkennen.

Diese vier werden oft als „Jungs Grundarchetypen“ vorgestellt. Das ist eine bequeme Kurzfassung, doch wir haben keinen Beleg gefunden, dass Jung den Ausdruck verwendet hat. Aion (1951, Band 9, Teil 2) widmet die ersten Kapitel dem Ich, dem Schatten, der Syzygie (Jungs Wort für das Paar aus Anima und Animus) und dem Selbst und hält in Absatz 13 fest, dass Schatten, Anima und Animus die empirisch am deutlichsten fassbaren Archetypen sind. Die Persona behandelt er in anderen Schriften, zum Beispiel in Two Essays on Analytical Psychology (Band 7).

Bei Jung sammelt der Schatten, was ein Mensch an sich nicht kennt und nicht annimmt (Aion, Kapitel II), und der Inhalt ist von Person zu Person verschieden. Mit einer Figur aus der Liste der 12 hat er nichts zu tun. Der Test spricht in den Ergebnissen von einer „Schattenseite“, und wir verwenden das Wort dort in einem anderen Sinn.

Jungs KonzeptFundstelleVerhältnis zu den 12 Archetypen
PersonaCW 7, §§243-246; CW 9i, §221Keine direkte Entsprechung. Das Wort stammt von der Maske im antiken Theater und meint das soziale Gesicht nach außen
SchattenAion, Kap. II, §§13-19Teilt den Namen mit der „Schattenseite“ jedes Archetyps, ist aber ein anderes Konzept
Anima und AnimusAion, Kap. III, §§20-42; CW 7 (zweiter Teil)Keine direkte Entsprechung
SelbstAion, Kap. IVKeine direkte Entsprechung
MutterCW 9i, „Psychological Aspects of the Mother Archetype“Laut Blandin lässt sich der Fürsorger als Ausdruck dieses Archetyps lesen
Kind und Mädchen (Kore)CW 9i, Aufsätze über das Kind (1940) und die Kore (1941)Entspricht keinem der 12
Weiser AlterAion, §42; CW 9i, „The Phenomenology of the Spirit in Fairytales“Der Weise ähnelt ihm nur entfernt
TricksterCW 9i, „On the Psychology of the Trickster-Figure“ (1954)Der Narr im Test ist etwas anderes

Auf populären Seiten kursiert häufig die Gleichsetzung von Narr und Trickster. Jungs Trickster ist eine mehrdeutige mythische Figur, der er 1954 einen ganzen Aufsatz widmete. Der Narr unter den 12 Archetypen beschreibt dagegen ein Motiv: den Augenblick genießen und die Stimmung auflockern. Mit jener mythischen Gestalt ist er nicht gleichzusetzen.

Wer die 12 Archetypen aufgestellt hat: von Carol Pearson bis zur Marke (und warum der Test „Jung“ im Namen trägt)

Die 12 Archetypen sind das System von Carol S. Pearson, veröffentlicht in Awakening the Heroes Within (1991), das die sechs Archetypen aus The Hero Within (1986) auf zwölf erweiterte.

Pearson erzählt es auf ihrer offiziellen Website so: Zuerst beschrieb sie in ihrem Buch von 1986 sechs Archetypen, später erweiterte sie sie im Buch von 1991 auf zwölf. Ihre Arbeit versteht sie als Aktualisierung von Ideen C. G. Jungs, James Hillmans, Joseph Campbells und Erik Eriksons. Bei dieser Herkunft darf man die 12 Archetypen „jungianisch“ nennen; Jung selbst zuschreiben darf man sie nicht.

Ein Roter Panda steht auf einem kleinen Tritt und richtet einen Holzrahmen aus, der auf mehreren aufgestapelten großen Steinen ruht, hinter dem Tritt hält ein Shiba Inu fest
Pearson baute zwölf Archetypen auf vorhandenem Fundament.

Laut Blandin ruht Pearsons System auf Jungs Archetypentheorie und auf Campbells Theorie der Heldenreise, die ihrerseits aus Jungs Beschäftigung mit Mythen hervorgeht. Blandin erwähnt außerdem, dass andere Autorinnen und Autoren schon früher ähnliche Ideen zu Rollenarchetypen veröffentlicht hatten, Pearson aber zwölf in einem einzigen System bündelte. Vor diesem Buch hatte sie 1986 ihr erstes Archetypen-Buch herausgebracht, damals mit sechs Archetypen.

Kesstan Blandin von Storywell sieht es genauso: Viele hielten die 12 Archetypen für direkt von Jung, tatsächlich habe Pearson diese Rollen systematisiert. Blandin arbeitet im Umfeld von CAPT und der Myers & Briggs Foundation, die den Pearson-Marr Archetype Indicator (PMAI) herausgeben; ihr Text wird daher mit diesem Vorbehalt zitiert. Im Dezember 2021 gab Pearson in einem Blogbeitrag einen Auszug aus dem Storywell-Artikel wieder, nach dem die bekannten 12 Archetypen aus ihrer ursprünglichen Arbeit der 1980er Jahre stammen und ihr dafür meist keine Anerkennung zukommt.

JahrWerkAutorin/AutorInhalt
1921Psychological Types (CW 6)JungTypologie aus Einstellungen und Funktionen (deutsches Original)
1934-1954Aufsätze in CW 9, Teil 1JungMotive wie Mutter, Kind, Geist, Trickster
1951Aion (CW 9, Teil 2)JungIch, Schatten, Syzygie und Selbst (deutsches Original)
1986Pearsons erstes BuchPearsonSechs Archetypen
1989 und 1998Erweiterte und dritte Ausgabe des Buchs von 1986PearsonSpätere Fassungen desselben Buchs
1991Pearsons Buch mit zwölf ArchetypenPearsonZwölf Archetypen
1995Dissertation Measurement of the Dominant Heroic ArchetypesMarrEntwickelt das Instrument, das später PMAI heißt; Pearson saß im Promotionsausschuss
2001The Hero and the OutlawMark und PearsonÜbertragung auf Marken
2001Erwerb des PMAICAPTÜbernimmt das Instrument und untersucht Reliabilität und Validität weiter
2020Umbenennungen im PMAIPMAI-TeamOrphan wird Realist, Innocent wird Idealist, Destroyer wird Revolutionary

Die 12 Archetypen und ihre Namen in den verschiedenen Versionen

Dieselben 12 Archetypen heißen je nach Version anders, und dieses Namenschaos erklärt, warum jede Seite eine andere Liste zu beschreiben scheint.

Die Markenversion (Mark und Pearson, 2001) verwendet Namen wie Hero, Outlaw und Regular Guy/Gal; Pearsons Namen von 1991 und die Namen, die der PMAI seit 2020 nutzt, weichen davon jeweils ab. Die Namen ändern sich von Version zu Version, und das erklärt, warum ein und derselbe Archetyp in der Literatur unter ganz verschiedenen Bezeichnungen auftaucht.

Name im TestMarkenversion (2001)Pearsons Name (1991)PMAI seit 2020
Der UnschuldigeInnocentInnocentIdealist
Der JedermannRegular Guy/Gal (Everyman)OrphanRealist
Der HeldHeroWarriorWarrior
Der FürsorgerCaregiverCaregiverCaregiver
Der EntdeckerExplorerSeekerSeeker
Der LiebendeLoverLoverLover
Der RebellOutlawDestroyerRevolutionary
Der SchöpferCreatorCreatorCreator
Der HerrscherRulerRulerRuler
Der MagierMagicianMagicianMagician
Der WeiseSageSageSage
Der NarrJesterFool (Jester)Jester

Die Namen von 1991 stammen aus Storywell, wo die zwölf Archetypen des Buchs mit den später gebräuchlichen Namen in Klammern aufgeführt sind.

Der Jedermann ist der Name, den der Test für Regular Guy oder Everyman wählt; gerade an dieser Stelle gehen die Listen am häufigsten durcheinander, weil derselbe Platz bei Pearson Orphan hieß und im PMAI heute Realist heißt. Bei Held, Entdecker, Rebell und Narr weichen die Versionen ebenfalls voneinander ab. Für die Fremdversionen stehen deshalb die englischen Originalnamen in der Tabelle, und Entsprechungen im Deutschen geben wir nicht vor.

Bei Liebendem, Magier, Weisem und Schöpfer unterscheiden sich die Bezeichnungen zwischen den Versionen kaum.

Archetypen-Test auswerten: Hauptarchetyp, vier Grundantriebe, Top drei

Das Ergebnis eines Archetypen-Tests gleicht einem Profil: Es gibt einen Hauptarchetyp, einen zweiten und dritten Archetyp und einen Grundantrieb, der stärker hervortritt als die übrigen.

Der Test der 12 Archetypen nach Jung von Type of You hat 30 Fragen: 18 Situationsfragen mit je vier Antworten und 12 Aussagen, die du auf einer fünfstufigen Skala beantwortest, jeweils eine pro Archetyp. Jeder der 12 Archetypen erhält einen Wert von 0 bis 100; der höchste ist dein Hauptarchetyp, und der Test nennt dir zusätzlich den zweiten und dritten. Der Test ist kostenlos und dauert rund 6 Minuten.

Der Test ordnet die 12 Archetypen vier Grundantrieben zu, jeweils drei pro Antrieb.

GrundantriebEnthaltene Archetypen
FreiheitDer Unschuldige, der Entdecker, der Weise
WandelDer Held, der Rebell, der Magier
VerbundenheitDer Jedermann, der Liebende, der Narr
OrdnungDer Fürsorger, der Herrscher, der Schöpfer

Diese Aufteilung in vier Gruppen mit je drei Archetypen deckt sich in der Zusammensetzung mit der Gruppierung nach Motiven, die Mark und Pearson (2001) vornehmen; der Test hat den Gruppen nur eigene Namen gegeben. Das wissen wir aus einer wissenschaftlichen Arbeit, die den Aufbau des Buchs nachzeichnet (Xara-Brasil, Miadaira Hamza und Marquina, 2018), nicht aus dem Buch selbst.

So liest der Test die Antriebe: Bei „Freiheit“ vertraut der Unschuldige darauf, dass es gut ausgehen kann, der Entdecker braucht eigenen Raum, um seinen Weg zu suchen, und der Weise fühlt sich wohl, wenn er versteht, wie die Dinge funktionieren. Bei „Wandel“ misst sich der Held an Herausforderungen, der Rebell stellt in Frage, was nicht mehr trägt, und der Magier erkennt, wie sich eine Lage in eine andere verwandeln lässt.

Bei „Verbundenheit“ möchte der Jedermann dazugehören, ohne sich in Szene zu setzen, der Liebende sucht Nähe und Intensität, und der Narr löst Spannung mit Humor. Bei „Ordnung“ achtet der Fürsorger darauf, dass niemandem fehlt, was er braucht, der Herrscher organisiert Ressourcen und Regeln, und der Schöpfer gibt dem Vorgestellten eine greifbare Gestalt.

Das sind Tendenzen, und niemand gehört nur zu einem Archetyp. Liegen der erste und der zweite Wert nur wenige Punkte auseinander, wirkt das Profil eher wie eine Mischung.

Ein Roter Panda sitzt auf einem niedrigen Hocker und betrachtet zwei weiße Karten, ein Shiba Inu sitzt auf einer Holzkiste, hält eine weiße Tasse und schaut zum Panda
Ein Ergebnis liest sich wie eine Mischung und nicht wie ein einzelnes Etikett.

Für die vier Antriebe gibt es noch eine weitere Lesart (sie stammt aus diesem Beitrag und gehört nicht zu den Regeln des Tests): Schau, zu welcher Gruppe dein Hauptarchetyp gehört. Ist er der Fürsorger, liegt er bei „Ordnung“; ist er der Entdecker, bei „Freiheit“. Fallen der zweite und dritte Archetyp in andere Gruppen, verteilt sich dein Profil auf mehrere Antriebe.

Ein hoher Wert bei einem Archetyp löscht die anderen nicht aus, er zeigt nur, welcher in deinen Antworten am stärksten auftritt. Zwei Personen mit demselben Hauptarchetyp können beim zweiten und dritten sehr verschieden liegen, und das macht das Profil konkreter. Ändert sich die Reihenfolge, wenn du den Test später wiederholst, muss das kein Fehler sein: Das Ergebnis spiegelt deine Antworten an diesem Tag, und Archetypen beschreiben Tendenzen, keine festen Eigenschaften.

Der Test nennt außerdem für jeden Archetyp einen „passenden Partner“: der Unschuldige zum Fürsorger, der Entdecker zum Narren, der Weise zum Herrscher, der Held zum Magier, der Rebell zum Schöpfer, der Jedermann zum Liebenden. Das ist ein Vorschlag des Tests und kein Forschungsbefund.

Archetypen im Alltag: WhatsApp-Gruppe, Weihnachtsfeier und Schattenseite

Mit der „Schattenseite“ eines Archetyps meinen wir, was passiert, wenn eine Stärke übertrieben oder zur falschen Zeit eingesetzt wird; ein Makel ist das nicht.

Derselbe Archetyp kann im Büro hilfreich sein und am Tisch der Familie stören. Du erkennst dich vielleicht in einem Ergebnis wieder und merkst am nächsten Tag, dass du dich in anderen Lagen anders verhältst. Das widerspricht dem Ergebnis nicht: Eine Tendenz kann in manchen Situationen deutlicher hervortreten als in anderen.

Ein Roter Panda sitzt auf einem Hocker und schaut aufs Handy, gegenüber trinkt ein Shiba Inu aus einem Becher; auf dem runden Tisch stehen Brötchen und Tassen, dahinter ein leerer Stuhl
Wenn niemand zuerst reden mag, zählt auch das Schweigen.

Nach Angaben der PMAI-Autorinnen und -Autoren schwanken Archetypen im Profil eines Menschen mit Situation, persönlicher Entwicklung, Umfeld und Reife. Deshalb setzen wir sie in konkrete Szenen. Die vier Szenen haben wir selbst geschrieben, sie stammen aus häufigen Alltagslagen: Weihnachtsfeier, Projektbesprechung, Familienfeier am Wochenende und Gehaltseingang. Die Szenen sind weder Fälle echter Personen noch Forschungsergebnisse. Die Szenen sollen helfen, in einem Moment eine Tendenz zu lesen, ohne daraus ein Etikett für irgendjemanden zu machen.

Die Archetypen dienen hier nur als Beispiele für Tendenzen, nicht als Diagnose. Dieselbe Szene lässt sich mit mehreren Archetypen gleichzeitig lesen.

SituationMögliche StärkeWenn es zu viel wirdFrage an dich
In der WhatsApp-Gruppe steht der Termin der Weihnachtsfeier seit Tagen nicht festPlanung übernehmen (Herrscher), einen Witz machen (Narr), fragen, ob alle gegessen haben (Fürsorger)Du planst alles allein und fühlst dich danach im Stich gelassen; du weichst mit Witzen ausWas brauche ich von dieser Gruppe und bitte nicht darum?
Das Projekt hängt seit Wochen, die Meetings werden längerBelege sammeln (Weiser), anderen Weg vorschlagen (Rebell oder Magier), alles allein stemmen (Held)Endlos recherchieren ohne Entscheidung; aus Gewohnheit widersprechen; keine Hilfe erbitten, bis nichts mehr gehtWas ist der nächste Schritt für die nächsten fünfzehn Minuten?
Bei der Familienfeier kommentiert eine Tante deine EntscheidungFrieden wahren (Jedermann oder Unschuldiger), den eigenen Weg gehen (Entdecker)Du sagst zu allem Ja; du schluckst es runter und bleibst verstimmtWelchen einen Satz möchte ich hier sagen?
Gehalt ist da, eine Verwandte bittet um GeldAllen helfen wollen (Fürsorger), die Rechnung klären wollen (Herrscher)Du bringst das Nein nicht über die Lippen; du behandelst die Familie wie ein ProjektWas kann ich anbieten, ohne zu kurz zu kommen?

Jungs Schatten ist etwas anderes: Er sammelt, was ein Mensch an sich nicht kennt und nicht annimmt (Aion, Kapitel II). Wir nennen die übertriebene Variante einer Stärke „Schattenseite des Archetyps“. Beides trägt denselben Namen und teilt den Gedanken, dass auch das Unbequeme etwas über einen verrät, bleibt aber ein verschiedenes Konzept, und zwölf Schatten hat Jung nicht beschrieben.

Die Szenen zeigen, wie ein Mensch in verschiedenen Lagen zu handeln neigt. Hat jemand einen hohen Wert beim Fürsorger und tut sich schwer mit dem Neinsagen, liegt das nicht zwingend am Charakter; mitunter kostet eine Stärke in dieser Lage einfach ihren Preis.

Was die Forschung sagt: Archetypen, Big Five und Jungs „8 Typen“

Archetypen taugen zum Nachdenken und zum Erzählen, sie sind keine validierte Typologie wie die Big Five.

QuelleBefund oder BehauptungEinschränkung
Faber und Mayer (2009)Bei 125 Studierenden sagte die Identifikation mit Archetypen-Figuren Medienvorlieben über die Big Five hinaus voraus; mittelstarker Zusammenhang mit LebensthemenKleine Stichprobe; andere Liste (13 Archetypen) und eigene Skala; misst Identifikation mit Figuren, validiert nicht die 12
Jung (Aufsätze 1934 bis 1954)Archetypen als ererbte Formen von Bild und Verhalten, ohne geschlossene ListeTheoretische Behauptung, kein empirisches Ergebnis
Neher (1996)Kritisiert Jungs Annahme, Archetypen spiegelten Vorfahren oder universelle Wesenszüge, als schwer mangelhaft; sieht Ansätze für erbliche Grundlagen mancher unbewusster InhalteKritische Würdigung, kein Experiment
PMAI-Handbuch (2021)Berichtet werden 72 Items, fast 5.000 Personen, 10 von 12 klar getrennte Skalen; laut Handbuch nicht zur Einordnung von Menschen gedachtEigene Belege der Entwickelnden, Gelegenheitsstichprobe; keine veröffentlichte unabhängige Prüfung bekannt
Test von Type of YouWerkzeug zur Selbsterkundung mit 30 FragenKeine psychologische Diagnostik; Validitätsstudie bisher nicht gefunden
McCrae und Costa (1989)Bei 468 Erwachsenen messen die vier MBTI-Skalen Teilaspekte von vier Big-Five-Dimensionen, grundverschiedene Typen belegen sie nichtBetrifft den MBTI (eine aus Jung hervorgegangene Typologie), nicht Archetypen

Die nächstliegende Forschung, die wir gefunden haben, stammt von Faber und Mayer, und wir lesen sie mit Vorsicht: Die Stichprobe umfasst 125 Studierende, und die Archetypenliste ist eine andere. Zum PMAI gibt es als Beleg das Handbuch der Entwickelnden. Für 12-Archetypen-Tests wie den von Type of You haben wir keine Validitätsstudie gefunden, deshalb stellen wir den Test als Werkzeug zur Selbsterkundung dar.

Jungs „8 Typen“ sind eine eigene Sache. In Psychologische Typen (1921) kombiniert er die Einstellungen Extraversion und Introversion mit den Funktionen Denken, Fühlen, Empfinden und Intuition und beschreibt so mindestens acht unterscheidbare Typen. Diese Theorie beschreibt, wie du dich zur Welt orientierst, und kennt keine mythischen Figuren. Die 16 Persönlichkeitstypen entwickelten sich aus dieser Tradition.

Wer eine Landkarte der Eigenschaften mit mehr empirischer Absicherung sucht: Die Big Five gehören zu den am besten untersuchten Modellen. Das Enneagramm ist wieder ein anderes Typensystem.

Nach dem Ergebnis: Kleine Experimente und wann du dir Hilfe holst

Ein Archetypen-Ergebnis hilft dir als Frage mehr als als Antwort, und ein kleines Experiment zeigt, was sich ändert.

Drei Ideen, die sich innerhalb einer Woche ausprobieren lassen:

  • Ein Satz, der noch fehlt. Wähle eine Situation, die sich wiederholt (die WhatsApp-Gruppe, eine Besprechung), und schreib in einer Zeile auf, was du wirklich sagen möchtest. Abschicken kannst du den Satz oder nicht; der Gewinn liegt darin, ihn in Worte zu fassen.
  • Ein Tag mit dem zweiten Archetyp. Such dir eine kleine Entscheidung und handle so, wie es dein zweiter oder dritter Archetyp täte. Ist dein Hauptarchetyp der Fürsorger und der zweite der Entdecker, formulierst du zum Beispiel für die Wochenendplanung einen Wunsch für dich selbst. Beobachte, was sich im Gespräch verändert.
  • Der Blick einer vertrauten Person. Frag sie, in welchen Lagen sie bei dir eine übertriebene Stärke sieht, und vergleiche ihre Antwort mit deiner eigenen.

Ist dein stärkster Archetyp der Fürsorger und fällt dir das Neinsagen schwer, steht im Beitrag über People-Pleasing mehr dazu. Wenn du das Ergebnis für den Beruf nutzen willst, hilft der Beitrag Wie du deine Talente erkennst dabei, es in konkrete Entscheidungen zu übersetzen.

Ein Archetypen-Test ersetzt keine Diagnostik und taugt nicht dazu, mit psychischen Belastungen umzugehen. Wenn dich eine Lage überfordert, etwa durch starke Ängste, anhaltende Niedergeschlagenheit oder Gedanken, dir etwas anzutun, kann ein Gespräch mit einer Fachperson helfen. Die TelefonSeelsorge ist kostenlos erreichbar (0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222, per Telefon, Mail oder Chat) und bietet ein rund um die Uhr erreichbares Seelsorgeangebot. Eine Ärztin, einen Arzt oder einen Platz in der Psychotherapie vermittelt bei gesetzlicher Versicherung der Terminservice der 116117, die kein Krisentelefon ist. Bei Lebensgefahr wählst du die 112. Du musst nicht warten, bis es sehr schlimm wird, wenn Gefühle über längere Zeit Schlaf, Arbeit oder Beziehungen beeinträchtigen.

Mach den Test

Häufige Fragen

Welche vier Grundarchetypen hat Jung beschrieben?

Das ist eine vereinfachte Darstellung auf populären Webseiten: Persona, Schatten, Anima und Animus sowie das Selbst. In Aion (1951) behandelt Jung ausführlich das Ich, den Schatten, die Syzygie und das Selbst, die Persona steht in anderen Schriften. Dass er von „vier Grundarchetypen“ gesprochen oder nur diese vier genannt hätte, haben wir nicht gefunden.

Was sind Jungs 8 Persönlichkeitstypen?

Die acht Typen stammen aus Psychologische Typen (1921, englisch Psychological Types) und gehören zu einer anderen Theorie: einer Typologie aus Einstellungen und Funktionen, nicht zur Archetypenliste. Jung kombinierte die Einstellungen Extraversion und Introversion mit den Funktionen Denken, Fühlen, Empfinden und Intuition und beschrieb so mindestens acht unterscheidbare Typen. Die bekannten 16 Typen stammen ebenfalls aus dieser Tradition.

Welche 12 Archetypen gibt es?

Meist ist die Liste von Carol S. Pearson gemeint: der Unschuldige, der Entdecker, der Weise, der Held, der Rebell, der Magier, der Jedermann, der Liebende, der Narr, der Fürsorger, der Herrscher und der Schöpfer. Die Liste dient als Werkzeug für Schreiben und Markenarbeit. Eine solche Liste hat Jung nicht geschrieben.

Stammen die 12 Archetypen von Jung?

Nein. Carol S. Pearson stellte die 12 Archetypen in Awakening the Heroes Within (1991) zusammen. Mark und Pearson übertrugen sie 2001 auf Marken. Die Liste greift Gedanken Jungs auf, doch er schrieb, es gebe so viele Archetypen wie typische Lebenssituationen, und legte nie eine Zahl fest.

Ist ein Archetypen-Test wissenschaftlich belegt?

Er ist ein Werkzeug zum Nachdenken und keine validierte Typologie wie die Big Five. Eine Studie von 2009 mit 125 Studierenden fand, dass die Identifikation mit Archetypen-Figuren Hinweise auf Medienvorlieben liefert, die über die Big Five hinausgehen, allerdings mit einer anderen Liste und einer eigenen Skala. Der Test der 12 Archetypen nach Jung von Type of You dient der Selbsterkundung und ist keine psychologische Diagnostik.

Quellen

  1. The Roots of the Pearson-Marr Archetypes · Storywell (CAPT / Myers & Briggs Foundation), Blandin · 2021 · www.storywell.com
  2. The Collected Works of C. G. Jung, Volume 9 (Part 1): Archetypes and the Collective Unconscious · Princeton University Press · 1969 · press.princeton.edu
  3. Collected Works of C. G. Jung, Volume 9 (Part 2): Aion: Researches into the Phenomenology of the Self · Princeton University Press · 1969 · press.princeton.edu
15 weitere anzeigen
  1. Awakening the Heroes Within: Twelve Archetypes to Help Us Find Ourselves and Transform Our World · HarperSanFrancisco (Pearson) · 1991 · www.harpercollins.com
  2. Resonance to archetypes in media: There’s some accounting for taste · Journal of Research in Personality, 43, 307-322 (Faber & Mayer) · 2009 · doi.org
  3. Jung’s Theory of Archetypes: A Critique · Journal of Humanistic Psychology, 36, 61-91 (Neher) · 1996 · doi.org
  4. PMAI Manual · CAPT (Pearson-Marr Archetype Indicator; Blandin, Marr & Pearson) · 2021 · assets.website-files.com
  5. The Hero and the Outlaw: Building Extraordinary Brands Through the Power of Archetypes · McGraw-Hill (Margaret Mark & Carol S. Pearson) · 2001 · openlibrary.org
  6. The Pearson 12-Archetype System · carolspearson.com (Carol S. Pearson) · 2026 · carolspearson.com
  7. Collected Works of C. G. Jung, Volume 6: Psychological Types · Princeton University Press · 1971 · press.princeton.edu
  8. Volume 6: Psychological Types (Collected Works abstract) · International Association for Analytical Psychology (IAAP) · 2026 · iaap.org
  9. Reinterpreting the Myers-Briggs Type Indicator from the perspective of the five-factor model of personality · Journal of Personality, 57, 17-40 (McCrae & Costa) · 1989 · doi.org
  10. Carl Jung · Encyclopaedia Britannica · 2026 · www.britannica.com
  11. The meaning of a brand? An archetypal approach · Revista de Gestão, 25(2), 142-159 (Xara-Brasil, Miadaira Hamza & Marquina) · 2018 · doi.org
  12. TelefonSeelsorge Deutschland · TelefonSeelsorge Deutschland · 2026 · www.telefonseelsorge.de
  13. 116117.de – Der Patientenservice (ärztlicher Bereitschaftsdienst und Terminservice) · 116117.de · 2026 · www.116117.de
  14. New Article: The Roots of the Pearson-Marr Archetypes (blog post, December 16, 2021) · carolspearson.com (Carol S. Pearson) · 2021 · carolspearson.com
  15. Pearson & Heroic Archetypal Characters · Storywell (CAPT / Myers & Briggs Foundation) · 2026 · www.storywell.com

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Von der Redaktion von Type of You mit KI-Unterstützung bei Recherche und Formulierung verfasst und Zeile für Zeile mit den unten genannten Quellen abgeglichen. Die Illustrationen werden von einer KI anhand unserer eigenen Figuren erstellt.