4 Temperamente: Ursprung, Forschung und Testergebnisse

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Eine Eule mit runder Brille und Sternenumhang sitzt vor vier verschiedenfarbigen Gläsern und einer Tasse; dahinter steht ein kleines Bücherregal.

Das Wichtigste

  • Die vier klassischen Temperamente heißen sanguinisch, cholerisch, melancholisch und phlegmatisch. Ihre ursprüngliche Erklärung durch Körpersäfte gilt als überholt.
  • Wundt und Eysenck deuteten die Namen mithilfe zweier Achsen neu: Gefühlsstärke und Veränderungstempo beziehungsweise Introversion, Extraversion und emotionale Stabilität.
  • Laut MedlinePlus Genetics schätzen Forschende den genetisch bestimmten Anteil des Temperaments auf 20 bis 60 %. Ein einzelnes verantwortliches Gen ist nicht bekannt.
  • Unser kostenloser Test hat 28 Fragen und dauert etwa 5 Minuten. Er dient der Selbsterkundung, nicht der Diagnostik; ein melancholisches Temperament ist keine Depression.

4 Temperamente bezeichnen eine antike Einteilung: sanguinisch, cholerisch, melancholisch und phlegmatisch. Die Psychologie hat diese Namen als eine Möglichkeit übernommen, über Unterschiede zwischen Menschen zu sprechen. Ihre ursprüngliche Erklärung durch Körpersäfte ist aufgegeben worden. Temperament bleibt jedoch ein Thema: jener Teil der Persönlichkeit, der mit biologischen Grundlagen und emotionalen Reaktionen zusammenhängt.

An der langen Tafel beim Geburtstagsessen redet jemand sofort los, jemand anderes beobachtet erst einmal still. Eine Person regt sich schnell auf und beruhigt sich ebenso schnell wieder, eine andere lässt sich durch nichts hetzen. Landet dann ein Screenshot aus einem Temperamenttest in der WhatsApp-Gruppe, kommen die alten Namen wieder ins Gespräch. Der Test von Type of You deutet sie mithilfe zweier moderner Achsen neu, ohne damit eine Diagnose zu beanspruchen.

4 Temperamente: ein altes Modell für Unterschiede zwischen Menschen

Die vier Temperamente stammen aus der griechischen Medizin und sollten erklären, warum Menschen unterschiedlich reagieren; heute gelten sie als historisches Modell.

Martins, Silva und Mutarelli (2008) zeichnen diese Geschichte in einem portugiesischsprachigen Aufsatz in der Zeitschrift Memorandum nach. Ausgangspunkt ist das Corpus Hippocraticum, eine Sammlung von etwa siebzig Schriften, die traditionell Hippokrates zugeschrieben wird. Nach Darstellung der Autoren unterscheiden sich Stil und Themen so stark, dass vieles gegen einen einzigen Verfasser spricht. Wahrscheinlich waren mehrere Personen beteiligt. Einige Schriften, darunter Über die Natur des Menschen, beschreiben vier Körpersäfte: Blut, Schleim, gelbe und schwarze Galle. Gesundheit hing nach dieser Vorstellung davon ab, ob ihre Mengen im richtigen Verhältnis zueinander standen.

Eine Eule mit Sternenumhang zeigt auf ein dreistöckiges Bücherregal, auf dessen oberstem Brett vier verschiedenfarbige Kolben stehen.
Die vier Körpersäfte gehören zur antiken Medizin.

Galen, ein Arzt des zweiten Jahrhunderts, griff diese Vorstellung auf und erweiterte sie auf den Charakter. Aus seiner Sicht brachte jeder Mensch eine eigene Mischung von Körpersäften mit, in der fast immer ein oder zwei Säfte überwogen. Diese Mischung prägte sowohl den Körper als auch die Art, mit anderen umzugehen. Seine Einteilung umfasste die vier Grundtemperamente, die über Jahrhunderte in der westlichen Medizin weiterverwendet wurden. Martins und Kollegen (2008) verweisen dabei auf Temkin: In De temperamentis, also Über die Temperamente, zog Galen sogar neun mögliche Kombinationen in Betracht, nicht bloß vier.

Auch der Name Melancholie trägt diese Herkunft noch in sich. Er geht auf das Griechische zurück und bedeutet „schwarze Galle“, wie Cortés und Herrera-Aliaga (2023) erläutern. Eine andere Einteilung in vier Gruppen verwendet heute die Blutgruppen A, B, O und AB statt der Körpersäfte. Das ist ein anderes Thema; der Beitrag über Blutgruppen und Persönlichkeit behandelt die Forschung dazu.

TemperamentKörpersaftEigenschaften nach Galen
SanguinischBlutWarm und feucht
CholerischGelbe GalleWarm und trocken
PhlegmatischSchleimKalt und feucht
MelancholischSchwarze GalleKalt und trocken

Warm, kalt, trocken und feucht sind Eigenschaften aus Galens Medizin, so die Darstellung von Martins und Kollegen (2008). Sie gehören zur überholten Säftelehre, auch Vier-Säfte-Lehre genannt.

Von Galen zu Wundt und Eysenck: aus Säften werden Achsen

Die vier Namen überlebten die Säftelehre und wurden beim Übergang zum zwanzigsten Jahrhundert anhand zweier Verhaltensachsen neu gedeutet, zunächst bei Wundt, später bei Eysenck.

Im Mittelalter waren die vier Temperamente weit verbreitet. Galens Vorstellungen wirkten bis ins neunzehnte Jahrhundert nach, als die meisten Ärzte sie aufgaben, berichten Martins und Kollegen (2008). Cortés und Herrera-Aliaga (2023) beschreiben sprachliche Spuren im Spanischen: Wendungen für gute und schlechte Laune sowie die Bezeichnung „humorista“. Diese meint heute jemanden, der andere zum Lachen bringt, konnte in einem anderen Zeitalter aber jemanden bezeichnen, der sich mit Körpersäften befasste. Diese Beispiele stammen aus dem Spanischen; sie sind keine Aussagen über den deutschen Sprachgebrauch.

Eysenck arbeitete am Institut für Psychiatrie der Universität London. In seinem Aufsatz von 1964 über die Beschreibung, Einteilung und Diagnose von Persönlichkeit erklärt er, wie das alte System ins zwanzigste Jahrhundert gelangte. Seiner Darstellung zufolge verdankte es einen großen Teil seiner Verbreitung in den vorangegangenen zweihundert Jahren Kant. Dieser vertrat eine Einteilung in feste Kategorien: Ein Mensch war melancholisch, phlegmatisch, sanguinisch oder cholerisch; Mischungen waren ausgeschlossen.

Wundt (1903) bezeichnet Eysenck als den bekanntesten modernen Vertreter von Galens System. Wundt bevorzugte dagegen eine Betrachtung entlang von Dimensionen. Zwei Prinzipien sollten die Reaktionsweise der Gefühle beschreiben: ihre Stärke und die Geschwindigkeit, mit der sie sich verändern. Die Originalwerke von Kant und Wundt haben wir nicht gelesen. Beide Positionen werden hier ausschließlich nach Eysencks Darstellung wiedergegeben.

In Abbildung 1 zeichnet Eysenck zwei kontinuierliche Achsen: Introversion und Extraversion sowie Stabilität und Instabilität. Das melancholische Temperament liegt bei ihm auf der introvertierten, instabilen Seite, das cholerische auf der extravertierten, instabilen. Phlegmatisch verbindet er mit Introversion und Stabilität, sanguinisch mit Extraversion und Stabilität. Nach Eysenck nannte Wundt die erste Achse „langsam und schnell“, die zweite „stark und schwach“. Das ist Eysencks Deutung von 1964, kein unabhängiger Nachweis, dass genau diese vier Typen existieren.

PersonVorstellungGrundlage unserer Darstellung
Galen, zweites JahrhundertIndividuelle Säftermischung; die Einteilung umfasst vier GrundtemperamenteÜberblick bei Martins und Kollegen (2008)
KantVier Kategorien ohne MischungenEysenck (1964); Kants Originalwerk nicht gelesen
Wundt (1903)Gefühlsstärke und VeränderungstempoZitat bei Eysenck (1964); Wundts Originalwerk nicht gelesen
Eysenck (1964)Introversion, Extraversion und emotionale Stabilität auf zwei kontinuierlichen AchsenOriginalaufsatz in einer nachgedruckten Fassung

Ende des neunzehnten und Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts griff Rudolf Steiner die vier Namen für seine eigene pädagogische Theorie auf. Martins und Kollegen (2008) beschreiben diesen Ansatz als verschieden von der hippokratischen und galenischen Tradition und ohne empirische Grundlage.

Zwei Achsen im Test: soziale Energie und Gefühlsintensität

Mit Wundts beiden Prinzipien lassen sich die vier Temperamente auf einer Fläche anordnen; die Ähnlichkeit mit den Achsen unseres Tests ist lediglich ein Vergleich der Redaktion.

Nach dem Zitat bei Eysenck (1964) beschreiben diese Prinzipien jedes Temperament: Sanguinisch bedeutet schwächere Gefühle mit schnellem Wechsel, cholerisch stärkere Gefühle mit schnellem Wechsel. Melancholisch verbindet starke Gefühle mit langsamem Wechsel, phlegmatisch schwächere Gefühle mit langsamem Wechsel. Wundt ergänzt in der zitierten Passage, dass die schnell wechselnden Temperamente stärker auf aktuelle Eindrücke reagieren. Die langsameren beschäftigen sich eher mit der Zukunft und ihren eigenen Gedanken. So lässt sich sein Modell darstellen, ohne aus den Namen vier abgeschlossene Schubladen zu machen.

Ein Capybara und ein Shiba stehen in gegenüberliegenden Bereichen eines Hofs, den Steinwege in vier Felder teilen; zwei Felder bleiben leer.
Der viergeteilte Hof veranschaulicht eine Einteilung, keinen Nachweis.

Type of You beschreibt seinen Test als neue Messung der klassischen Temperamente anhand zweier moderner Achsen. Im deutschen Inhaltspaket heißen diese Soziale Energie und Gefühlsintensität. Die erste reicht von „Nach innen“ bis „Nach außen“, die zweite von „Gelassenheit“ bis „Leidenschaft“. Die Begriffe haben Berührungspunkte mit Wundt und Eysenck, eine Gleichwertigkeit ist damit aber nicht belegt. Wundt spricht von Gefühlsstärke und Veränderungstempo, Eysenck von Introversion, Extraversion und Stabilität. Unser Test spricht von sozialer Energie und Gefühlsintensität. Der Vergleich stammt von der Redaktion; er bedeutet weder, dass der Test Eysencks Modell misst, noch dass er dessen Methode übernimmt.

Der kostenlose Test hat 28 Fragen aus Alltagssituationen und dauert ungefähr 5 Minuten. Das Ergebnis enthält ein Haupttemperament, ein Nebentemperament, die prozentualen Anteile aller vier Temperamente und eine Temperamentkarte. Die Anteile sind Modellgewichte, die aus deinen Antworten auf beiden Achsen berechnet werden und zusammen 100 % ergeben. Sie sind weder exakte Anteile deiner Persönlichkeit noch Diagnosewahrscheinlichkeiten. Die deutschen Ergebnisnamen lauten „Sanguinischer Sonnenschein“, „Cholerischer Motor“, „Phlegmatischer Ruhepol“ und „Melancholischer Tiefsinn“. Das Angebot dient der Unterhaltung und Selbsterkundung und ist keine psychologische oder medizinische Diagnostik.

Was die Forschung über Temperament sagt

Die Medizin hat die Säftelehre aufgegeben; Temperament wird weiterhin psychologisch erforscht und hat genetische Anteile, auch wenn ein Aufsatz von 2002 damals keine einheitliche Definition feststellte.

Cortés und Herrera-Aliaga (2023) schreiben in einem Brief an die Revista Médica de Chile, dass die Säftelehre heute verworfen ist. Martins und Kollegen (2008) halten ebenfalls fest, dass die meisten Ärzte sie im neunzehnten Jahrhundert aufgegeben hatten. Beide Texte beschreiben sprachliche Überreste. Die spanischen Textstellen sind von unserer Redaktion ins Deutsche übertragen worden.

Nach MedlinePlus Genetics, einem Angebot der US-amerikanischen Nationalbibliothek für Medizin, umfasst Temperament unter anderem Geselligkeit, Emotionalität, Aktivitätsniveau, Aufmerksamkeit und Ausdauer. Forschende schätzen den genetisch bestimmten Anteil auf 20 bis 60 %. Ein klares Vererbungsmuster ist nicht bekannt, ebenso wenig ein einzelnes Gen für jeweils eine bestimmte Eigenschaft. Viele genetische Varianten wirken zusammen, und auch die Umwelt hat Einfluss. Dieselbe Seite beschreibt Temperament als ziemlich stabil, besonders im Erwachsenenalter. Diese Aussagen betreffen Temperament als Forschungsgegenstand, nicht die Gültigkeit der antiken Viereraufteilung.

Ein Capybara mit Schal liest ein altes Buch am runden Tisch; daneben untersucht ein Roter Panda mit einer Lupe ein unbeschriebenes Blatt.
Alte Vorstellungen lassen sich an Forschung prüfen.

Was genau unter Temperament fällt, war nach Izquierdo Martínez (2002) damals nicht ausreichend allgemein anerkannt. Er führt das auf unterschiedliche Interessen der Forschenden und einen überdehnten Gebrauch des Begriffs in der Psychologie zurück. Rothbart (2007) gibt in Temperament, Development, and Personality einen Überblick über Forschung zur Struktur des Temperaments, zu seinem Verhältnis zu den Big-Five-Persönlichkeitsmerkmalen sowie zu Verbindungen mit Entwicklung und Psychopathologie. Von diesem Aufsatz haben wir nur die Zusammenfassung gelesen.

QuelleAussageTatsächlich gelesener Umfang
Cortés und Herrera-Aliaga (2023)Die Säftelehre ist verworfenDer gesamte Brief
MedlinePlus Genetics (2022)Genetischer Anteil 20 bis 60 %; kein einzelnes Gen für eine EigenschaftDie gesamte Seite
Izquierdo Martínez (2002)Damals keine ausreichend allgemein anerkannte DefinitionZusammenfassung und begriffliche Abschnitte
Rothbart (2007)Struktur, Verhältnis zu Big Five und EntwicklungNur die Zusammenfassung

Die vier klassischen Typen sind somit eine alte Möglichkeit, Unterschiede zu beschreiben. Dass Temperament erforscht wird, belegt diese konkrete Einteilung noch nicht.

Temperament, Charakter und Persönlichkeit sind verschiedene Begriffe

Nach der begrifflichen Einordnung von Izquierdo Martínez (2002) bezeichnet Temperament biologische oder konstitutionelle Grundlagen; Charakter und Persönlichkeit umfassen dagegen den ganzen Menschen mit angeborenen und erworbenen Anteilen.

So fasst Izquierdo Martínez (2002) die Begriffe zusammen. Nach seiner Darstellung bevorzugen angloamerikanische Autoren eher „Persönlichkeit“, europäische eher „Charakter“. Beide Wörter beziehen sich auf alle Ebenen menschlichen Erlebens und Handelns: Denken und Fühlen, Verhalten und Stimmung, Körper und Psyche. Der Aufsatz zitiert Allports Vorstellung vom Temperament als einem „Rohmaterial“, aus dem sich Persönlichkeit entwickelt. Allport betont dessen emotionale Eigenschaften und beschreibt es im Vergleich zu anderen Persönlichkeitsanteilen als relativ unveränderlich. Gemeint ist eine begriffliche Unterscheidung, kein vollständiges Urteil darüber, wie ein einzelner Mensch ist.

Ein Capybara mit grünem Schal steht in der Mitte eines runden Teppichs, der aus mehreren konzentrischen Ringen besteht.
Drei ähnliche Begriffe mit unterschiedlichen Bedeutungen.

Außerhalb der Fachliteratur verschwimmen die Grenzen. Die spanische Seite von MedlinePlus Genetics verwendet selbst „Temperament oder Charakter“, als wären beide gleichbedeutend. Wenn solche Begriffe durcheinandergehen, bleibt bei einem Test, der angeblich sagt, „wie du bist“, unklar, welcher Ausschnitt überhaupt gemeint ist. Ein Ergebnisname kann dann größer wirken als die Aussage, die tatsächlich dahintersteht.

Andere Modelle beschreiben die Persönlichkeit als Ganzes, darunter die 16 Persönlichkeitstypen und Big Five. Temperament gilt dagegen als einer ihrer Teile. Hochsensibilität ist wiederum ein eigener Begriff, den der Beitrag über hochsensible Menschen behandelt. Die Gefühlsintensität im Test ist nicht mit Hochsensibilität gleichzusetzen.

BegriffUmfang nach der Einleitung von Izquierdo Martínez (2002)Kern der Unterscheidung
TemperamentBiologische oder konstitutionelle Grundlagen der PersönlichkeitEmotional geprägtes, relativ stabiles Rohmaterial
Charakter und PersönlichkeitDer ganze Mensch; unterschiedliche Wortvorlieben in europäischen und angloamerikanischen TextenAngeborene und erworbene Anteile

Melancholisch bedeutet nicht depressiv

Melancholisch ist ein klassischer Temperamentname, keine Diagnose und kein anderes Wort für eine Depression.

In der antiken Theorie meinte Melancholie einen Überschuss an schwarzer Galle und wurde mit Traurigkeit verbunden, erläutern Cortés und Herrera-Aliaga (2023). Dieses Vokabular gehört zu einer aufgegebenen Erklärung. Bei Wundts beiden Prinzipien beschreibt das melancholische Temperament starke Gefühle, die sich langsam verändern. Es geht dabei um die Art der Reaktion. Aus dieser historischen Bezeichnung lässt sich keine Erkrankung ableiten.

Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Depression auf ihrer 2026 aktualisierten Seite als häufige psychische Erkrankung, die sich von üblichen Stimmungsschwankungen und alltäglichen Gefühlen unterscheidet. Während einer depressiven Episode treten eine gedrückte Stimmung, etwa Traurigkeit, Reizbarkeit oder Leere, oder ein Verlust von Freude oder Interesse an Aktivitäten auf. Das besteht während des größten Teils des Tages, fast jeden Tag, mindestens zwei Wochen lang. Diese zeitlichen und inhaltlichen Merkmale sind etwas anderes als ein Temperamentname auf einer Ergebniskarte.

Ein Temperamenttest kann nichts davon diagnostizieren, auch wenn das Ergebnis melancholisch heißt. Wenn du dich in der Beschreibung der WHO wiedererkennst oder dir einfach Sorgen um deinen Zustand machst, ist ein Gespräch mit einer medizinischen oder psychotherapeutischen Fachperson sinnvoll. Kein Testergebnis ersetzt dieses Gespräch.

Ein Testergebnis beschreibt Antworten, nicht den ganzen Menschen

Ein Temperamentergebnis kann der Selbsterkundung dienen und ein Gesprächsthema sein; es legt dich weder fest noch liefert es eine Diagnose.

Der Test der vier Temperamente zeigt ein Haupttemperament, ein Nebentemperament und die Anteile aller vier Temperamente. Aus Sicht unserer Redaktion passt diese Ergebnisform zu Wundts Grundgedanken, wie Eysenck ihn wiedergibt: Unterschiede im Temperament lassen sich als graduelle Ausprägungen auf zwei kontinuierlichen Dimensionen betrachten, statt Menschen in geschlossene Kategorien einzusortieren. Kontinuierlich bedeutet hier, dass Zwischenwerte möglich sind; daraus folgt keine Aussage über Veränderungen im Lauf der Zeit. Das ist unsere Interpretation der Ähnlichkeit, keine Gleichsetzung beider Modelle.

Das Ergebnis spiegelt deine Antworten bei diesem Durchgang wider. Auch der Test selbst beschreibt seinen Zweck als Selbsterkundung und Gespräch mit Freunden. Ein Screenshot in der WhatsApp-Gruppe kann die Frage auslösen, ob andere dich darin wiedererkennen. Ein einzelner Typname reicht jedoch nicht aus, um jemanden für eine Stelle auszuwählen, das Temperament eines Familienmitglieds zu erklären oder die Reaktion einer Person im Vorstellungsgespräch oder bei einer Besprechung vorherzusagen.

Ein Shiba und ein Igel stehen an gegenüberliegenden Seiten eines niedrigen Tischs und zeigen auf dasselbe große, ausgebreitete Blatt.
Dasselbe Ergebnis lässt sich unterschiedlich lesen; es legt dich nicht fest.

Das vollständige Ergebnis umfasst außerdem Beschreibungen für Arbeit, Beziehungen und Situationen unter Druck sowie das Zusammenspiel mit den drei anderen Temperamenten. Diese Texte geben Stoff zum Nachdenken und zum Vergleich mit deinen eigenen Erfahrungen. Das Enneagramm ist ein weiteres Typensystem, mit dem über Persönlichkeit gesprochen wird. Dort gilt derselbe Vorbehalt: Kein Typensystem ersetzt es, einen wirklichen Menschen kennenzulernen.

Mach den Test

Häufige Fragen

Welche vier Temperamente gibt es?

Die klassischen Temperamente heißen sanguinisch, cholerisch, melancholisch und phlegmatisch. In der antiken Medizin wurden sie mit Blut, gelber Galle, schwarzer Galle und Schleim verbunden. Die Namen werden weiterhin verwendet, um Unterschiede zwischen Menschen zu beschreiben. Die damalige Erklärung durch Körpersäfte ist jedoch aufgegeben worden, und die Typnamen sind keine Diagnosen.

Wer hat die Temperamentenlehre entwickelt?

Die Lehre von den Körpersäften steht in Schriften des Corpus Hippocraticum, die traditionell Hippokrates zugeschrieben werden. Ihre tatsächliche Urheberschaft ist umstritten. Galen entwickelte die Lehre im zweiten Jahrhundert weiter und verband sie mit dem Charakter. Später deuteten Wundt und Eysenck die vier Temperamente anhand zweier Achsen neu.

Was genau ist Temperament, und wie unterscheidet es sich vom Charakter?

Nach Izquierdo Martínez (2002) bezeichnet Temperament die biologischen oder konstitutionellen Grundlagen der Persönlichkeit. Charakter und Persönlichkeit erfassen dagegen den ganzen Menschen, einschließlich angeborener und erworbener Anteile. Der Autor betonte zugleich, dass es zum damaligen Zeitpunkt keine ausreichend allgemein anerkannte Definition von Temperament gab. Die Begriffe liegen nah beieinander, sind aber nicht einfach austauschbar.

Sind die vier Temperamente wissenschaftlich belegt?

Die ursprüngliche Erklärung durch Körpersäfte hat die Medizin aufgegeben. Temperament selbst bleibt ein Forschungsgegenstand: Laut MedlinePlus Genetics werden schätzungsweise 20 bis 60 % genetisch bestimmt, wobei kein einzelnes Gen jeweils eine Eigenschaft festlegt. Daraus folgt kein Beleg für genau vier Typen. Diese Einteilung ist ein historisches Modell zur Beschreibung von Unterschieden.

Ist ein melancholisches Temperament dasselbe wie eine Depression?

Nein. Melancholisch ist ein klassischer Temperamentname, Depression dagegen eine psychische Erkrankung. Nach der WHO umfasst eine depressive Episode eine gedrückte Stimmung oder den Verlust von Interesse oder Freude, überwiegend über den Tag, fast täglich und mindestens zwei Wochen lang. Ein Temperamenttest kann das nicht diagnostizieren. Bei Sorgen um deinen Zustand ist ein Gespräch mit einer medizinischen oder psychotherapeutischen Fachperson sinnvoll.

Wie ist ein phlegmatisches Temperament?

In Wundts Beschreibung, die Eysenck (1964) zitiert, ist das phlegmatische Temperament durch schwächere Gefühle und langsame Veränderungen gekennzeichnet. Eysenck ordnet es in seiner Darstellung als introvertiert und emotional stabil ein. Das sind Beschreibungen innerhalb historischer Modelle. Sie reichen weder für eine Diagnose noch für ein vollständiges Bild einer Person.

Quellen

  1. A teoria dos temperamentos: do corpus hippocraticum ao século XIX · Memorandum: Memória e História em Psicologia, 14, 9-24 (Martins, Silva & Mutarelli) · 2008 · periodicos.ufmg.br
  2. Principles and methods of personality description, classification and diagnosis · British Journal of Psychology, 55(3), 284-294 (Eysenck) · 1964 · doi.org
  3. ¿Está determinado por la genética el temperamento? · MedlinePlus Genetics, U.S. National Library of Medicine · 2022 · medlineplus.gov
5 weitere anzeigen
  1. Temperament, Development, and Personality · Current Directions in Psychological Science, 16(4), 207-212 (Rothbart) · 2007 · doi.org
  2. Lo antiguo y lo vigente del término «humor» · Revista Médica de Chile, 151(7), 953-954 (Cortés & Herrera-Aliaga) · 2023 · doi.org
  3. Temperamento, carácter, personalidad. Una aproximación a su concepto e interacción · Revista Complutense de Educación, 13(2), 617-643 (Izquierdo Martínez) · 2002 · revistas.ucm.es
  4. Trastorno depresivo (depresión) · Organización Mundial de la Salud · 2026 · www.who.int
  5. Telefon · TelefonSeelsorge Deutschland (Abruf 2026) · 2026 · www.telefonseelsorge.de

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